Überlegungen zur Entscheidung für einen Barbet

Hier kommen ein paar Überlegungen, um vertieft über den Barbet als den nächsten Hund an seiner Seite nachzudenken. 

Lassen wir mal das positiven Charakter"paket" eines Barbets beiseite, kommt man unweigerlich zur Arbeit, die ein Barbet macht.  Denn das ist es, was einen Barbet von einem normalen Kurzhaarhund unterscheidet. Wie heißt es so schön auf einer anderen HP: "Wenn man seinen Barbet stets kurz schert, damit die Pflegeintensität weniger wird, sollte sich lieber gleichen einen Labrador anschaffen."

 

Somit ist das Thema Haarkleid-Pflegeaufwand auf dem Tisch, denn wenn man an einen Barbet denkt, hat man typischerweise einen "kleinen Bär" vor dem inneren Auge. Also ist das Haarkleid eher lang als kurz, und das ist es, was den Barbet im Besitzerauge aber auch für Außenstehende attraktiv macht.

Wenn das Haar immer kurz gehalten / geschoren wird (Thema Labrador s.o.), sind nachfolgende Hinweise und Ausführungen deutlich geringer einzuschätzen. Wenn man aber seinen Barbet in einem etwas längerem Haarkleid herumlaufen lassen möchte, dann sollten man sich über ein paar Punkte klar werden, die ggfs "Cons" sein könnten, wenn man nicht bereit ist, die damit verbundene Arbeit und Zeit zu investieren bzw die zusätzliche Zeit leider nicht übrig hat.

 

Hier bringt es eine HP aus Kanada auf den Punkt:

10 Gründe, warum man sich keinen Barbet anschaffen sollte (by Northrock Barbet)

Das klingt erstmal hart, ist aber am lange Ende eine Liebeserklärung an den Barbet. Nachfolgend haben wir es mal zusammengefasst und mit eigenen Gedanken versehen und so wurden aus zehn fünf Punkte.

 

1. a Die "Sauerei", aufzuteilen in den Dreck, den der Barbet mit langem Haarkleid ins Haus schleppt und langsam abrieselt und zum anderen den groben "Unrat", der im Haar verbleibt und dort manuell wieder entfernt werden muss. Manchmal auch zwischendurch, wenn sich zB im Wald Reisig im Haar verfängt und partout nicht von alleine abfällt und zwischen den Hinterläufen klemmt, oder beim Rüden auch woanders. Wenn sich der Hund also plötzlich nicht mehr bewegt, sollte man erstmal dort inspizieren, was los ist.

1.b Tja und damit nicht genug, wenn er gefressen hat, kann man erstmal die Schnauze putzen und den Bart pflegen und wenn er getrunken hat, entweder die Wasserschleppspur durch die Wohnung aufwischen oder lieber vorher den Bart trocken legen. Und wenn man es verpasst hat, hat man eine Kleckerstraße durch die Wohnung und zusätzlich noch eigene nasse Kleidung, weil der Barbet mal gerade vorbeigekommen ist, um hallo zu sagen und seinen Kopf auf den Oberschenkel gelegt hat. Wir sind deshalb zB vom Barfen wieder auf Trockenfutter umgestiegen (auch weil wir der Filznase Unmengen von Fleisch hätten füttern müssen, damit er sein Gewicht hält). Denn im Bart bleibt einfach alles hängen und kleben.

1.c Seine Begeisterung für Gewässer jeder Art sollte man teilen. Während man einen Kurzhaarhund einfach abwischt und gut, ist es bei einem Langhaar-Barbet nicht so einfach. Trockenlegen ist angesagt, vielleicht auch fönen, damit er nicht verfilzt auch zusätzliches Kämmen nach dem Trocknen etc und das alles, nur weil er mal gerade in den Bach, Fluss, Teich gehüpft ist. Wenige Minuten (oder Sekunden) Freude und Lebenslust pur für den Vierbeiner, mindestens 1/2 Stunde Zusatzarbeit daheim für den Zweibeiner. (siehe auch 3.)

 

2. Der Barbet ist recht schlau. Also heißt es, ihn positiv auszulasten, sonst lastet er sich selber aus. Und dann kann das Barbet und das menschliche Verständnis von gewünschter Auslastung und Spaß nicht unbedingt deckungsgleich sein.

 

Da kommt 3. der Sache schon viel näher, die Barbet-"Wartungsarbeiten". Um einen langhaarigen Barbet verfilzungsfrei zu halten und stets gepflegt aussehen zu lassen, ist eine Menge Arbeit erforderlich. Tägliches Kämmen ist (je nach Haarlänge) an den entscheidenden Stellen fast Pflicht, auch Duschen von Zeit zu Zeit ist angesagt. Das alles kostet Zeit und ist mitunter anstrengend. Denn wenn man heim kommt und man selber ist fix und foxy, nass und schmutzig, dann ist das gar nichts im Vergleich zu seinem Barbet. Dann muss man erstmal um seinen Gefährten kümmern, ehe  man an sich selbst denken kann. Einen besagten Kurzhaarhund wischt man ab - fertig. Nicht so beim Barbet. Und einen nassen Barbet sich selbst zu überlassen wäre unvorteilhaft, gesundheitlich genauso wie "haarkleidtechisch". Weil Verfilzungen dann vorprogrammiert sind. Und wenn man zu lange die Fellpflege vernachlässigt hat, hilft nur noch runterscheren, weil dann die Verfilzungen nicht mehr aufkämmbar sind.

Und keine Illusion, ein Barbet liebt es nicht von Anfang an, gekämmt zu werden. Das muss schön auftrainiert werden und dennoch ist es immer wieder ein kleiner Machtkampf, denn an empfindlichen Stellen wird er es nie richtig mögen. Einziger Trost: man kann sich positiv damit motivieren, dass es die Beziehung zu seinem Barbet stärkt und die Führungsrolle mit klärt, man darf nur nicht aufgeben. Schluss beim Kämmen ist, wenn man es für richtig hält und nicht, wenn der Barbet es für richtig hält. Und wer das alles nicht selber machen möchte, muss halt beim Hundefriseur zahlen und hoffen, dass man einen Barbet und keinen Pudel zurückbekommt. (aber das Fell wächst ja wieder)

Im Winter sollte es einfacher werden, weil es dann ja nur sauberer Schnee ist. Mitnichten, in den langen Haaren bilden sich Schneekugeln, überall, auch an und unter den Pfoten. Also gilt es, diesen vorzubeugen oder sie mühsam vor dem Hauseintritt zu entfernen. Ansonsten liegt die Fellnase nach kurzer Zeit im Haus in einer Wasserlache.

Somit sind wir beim Thema Bodenbelag im Haus. Teppich wäre für Hunde am besten, für den Barbet aber viel zu warm. Dreck lässt sich von Parkett und Fliesen bekanntlich am besten entfernen. Wasser auf dem Parkett ist eher unvorteilhaft. Und ein nasser Barbet auf Parkett oder Fliesen birgt für ihn eine richtige Unfallgefahr. Denn durch die Haare unter den Pfoten kann er bei Feuchtigkeit indoor schnell den notwendigen Grip verlieren. Deshalb liegen bei uns an den relevanten Stellen ab Herbst bis Frühjahr Schmutzfangmatten, damit die Fellnase nicht ausrutscht und sich dabei verletzt.

 

4. Mit harter Hand lässt sich ein Barbet nicht erziehen. Positives Training und davon wiederum nicht zu viel ist erforderlich, sonst macht der Barbet "dicht". Die richtige Balance zu finden ist hier gar nicht so einfach und lässt einen manchmal auch zweifeln, ob man alles richtig macht.

 

5. Barbet und Alleinsein. Mit einem Barbet ist man nie allein, er folgt einem, wohin man geht. Draußen schaut er stets, ob noch alle da sind und im Haus läuft er einem nach bzw sucht einen. Also muss man ihm beibringen, welche Räume tabu sind. Ansonsten muss man sich überlegen, ob man das Folgen als "Verfolgtwerden" sieht oder nett findet. Denn aufdringlich wird der Geselle dabei nicht. Es reicht ihm, da zu sein, wo man selber auch ist, er kommt und legt sich dann einfach in die Nähe. Das heißt aber nicht, dass er nicht auch allein gelassen werden kann. Wer nachts nicht das Schlafzimmer mit ihm teilen möchte, kein Problem, ab in den Flur mit ihm. Als Ritual eingebürgert reicht bei uns zB mittlerweile Flurtür aufmachen, der Hinweis "Schlafen" und unsere Fellnase trottet in den Flur und legt sich in eine kühle Ecke. Das hat den großen Vorteil, dass man nachts nicht laufend wach wird, nur weil es dem Vierbeiner mal wieder an seine aktuellen Schlafstelle, sagen wir vor dem Bett, zu warm geworden ist. Er steht dann auf, trottet 1,5 m weiter neben das Bett und schmeißt sich mit einem vernehmlich Plopp wieder auf den Boden. Toll, für ihn ... man selber ist wach. Sollte man wissen, dass es in Hotelzimmern so kommen wird :-)

Stundenweises Alleinsein tagsüber ist nach entsprechender Eingewöhnung auch für einen Barbet machbar.